• Tag der offenen Tür - 14.01.2023 um 10:00 Uhr

Werderaner suchen das Glück

Anne Schnürpel macht sich ernsthaft Gedanken: „Findet mich das Glück?“ Ihre Schule hat es schon einmal gefunden. Denn das Ernst-Haeckel-Gymnasium Werder gehört zu den sechs auserwählten Schulen in Deutschland, die mit einem berühmten Dramatiker ein eigenes Theaterstück inszenieren können.

In dem Projekt „Tatsch“ des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterzentrums werden die Schüler gemeinsam mit dem Freiburger Dramatiker Paul Brodowsky Texte für das Stück schreiben, gemeinsam proben und ihr Werk im Mai 2012 aufführen. Der Ort der Premiere ist noch offen.

Wie Anne Schnürpel haben auch ihre Mitschüler aus der 11. Klasse des Gymnasiums schon fleißig Texte verfasst – immer auf der Suche nach dem Glück, um das Unglück aufzuhalten. „Das Thema beschäftigt jeden“, sagt Silvia Marx, die am Gymnasium Theater und Musik unterrichtet. „Bei dem neuen Stück geht es um die Erlebnisse und Geschichten der Schüler in Werder“, sagt Marx. Der Zuschauer wird später mit dem Stück von den Lieblingsplätzen der Schüler auf der Insel, im Werder-Park und auf der Havel erfahren. Es geht um Liebe und Freundschaft, Schmerz und Enttäuschung. Paul Brodowsky, mit Förder- und Publikumspreisen geehrt, führt die Schüler an das dramatische Schreiben heran, liest vor, lässt die Schüler eigene Szenen aufschreiben. Im Januar stellt der Autor mit den Schülern das Stück zusammen, das dann unter Leitung der Theaterlehrerin aufgeführt wird.

Die Schüler konnten als Schauspieler schon erste Erfahrungen sammeln. Sie wirkten mit, als das Werderaner Stadttheater Comédie Soleil beim Sommertheater im Petzower Park das Stück „Antigone“ aufführte. Der Chor der Schüler hat viele Gäste der Aufführung begeistert.

Für die Lehrerin Silvia Marx ist die Arbeit mit den Schülern im „Tatsch“-Projekt ein großer Gewinn. „Dadurch wird unser Unterricht viel lebendiger, für die Schüler noch interessanter und spannender. Sie lernen sich untereinander noch besser kennen, spüren ihre eigenen Stärken, die vorher im Verborgenen schlummerten.“

Das literarische Leben an der Schule bekommt mit der Partnerschaft zwischen Schülern und bekannten Autoren offenbar neue Impulse und Reize. Dazu zählt auch der erfolgreiche Vorlesewettbewerb am Gymnasium. Paul Brodowsky las aus seinen Werken, zu denen „Die blinde Fotografin“, erschienen im Suhrkamp Verlag, gehört. Eine der besten Vorleser des Gymnasiums beim Wettbewerb war Lena Prochnow aus der 6. Klasse. Sie nimmt nun am bundesdeutschen Wettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels teil.

Bis dahin werden Anne und die anderen 18 Schüler des Gymnasiums Werder die Suche nach dem Glück in Werder fortsetzen. Dabei lassen sich die drei Jungen von den 16 Mädchen gern begleiten, sagt Marx. (Von Regine Greiner)

 

Quelle: MAZ

                                                                               

 

Glücksuche an der Badestelle Werderaner Schüler schreiben Theaterstück

von Thomas Wendel

Werder (Havel) – Was ist Glück? Die 17-jährige Vivien Schnauß denkt
kurz nach: „Mit dem Auto durch Irland reisen, ein Roadtrip durch das Land, wo ich die Natur erleben kann – das ist meine Vorstellung von Glück.“ Die Schülerin des Werderaner Ernst-Haeckel-Gymnasiums schreibt ihre Vorstellung nieder. Betreut vom Freiburger Schriftsteller und Theaterautor Paul Brodowsky und ihrer Lehrerin Silvia Marx arbeitet sie mit 15 Mitschülern an einer literarischen Geschichte über das Glücklich- und das Unglücklichsein. Bis Dezember wird die Textvorlage erarbeitet, bis Mai wird dann an einer Bühnenfassung gefeilt.

Als eine von sechs Schulklassen nehmen die Schüler am Projekt „Theaterautoren treffen Schulklassen“ teil. Das Thema „Glück“ haben sie mit ihrer Lehrerin ausgewählt. Die Projektarbeit läuft so ab: Paul Brodowsky, ein 31 Jahre alter Schriftsteller, der im Südschwarzwald lebt, gibt den Schülern eine Schreibaufgabe. Sie sollen Szenen entwerfen und Dialoge schreiben. Die Schüler sitzen dazu zweimal zwei Tage zusammen, schreiben, diskutieren, korrigieren, schreiben weiter. „Das läuft alles in lockerer Runde im Klassenzimmer“, beschreibt Vivien die Atmosphäre. „Wir haben viele gute Schreiber“, sagt sie. „Jeder hat seine eigenen Stärken.“ Aber sie hat in den zurückliegenden Wochen auch gelernt, dass Schwächen bearbeitet werden müssen. Schreiben für ein Bühnenstück sei anders als Geschichten zu erzählen. An den Dialogen müsse sie feilen. „Paul Brodowsky hilft mir, meinen Stil zu verbessern“, sagt Vivien.

Dass die Arbeit Fortschritte macht, liegt auch an der Vorarbeit. Lehrerin Silvia Marx hatte zur Einführung gefragt, wo in Werder die Heranwachsenden schon mal glücklich waren. Colonial Café, Inselstadt und Plessower Badestelle wurden genannt. Methodisches Arbeiten folgte: Was macht einen guten Dialog aus? Wie analysiert man einen Text? Vor dem ersten Zusammentreffen mit dem Schriftsteller wurden Textfragmente per E-Mail getauscht, Korrekturen zurückgesandt. Den Schriftsteller aus dem 800 Kilometer entfernten Freiburg im Breisgau hat Silvia Marx unter mehreren Mentoren ausgewählt.

Während die Schüler weiter schreiben und mailen, steht für Januar der nächste Schritt an. Gemeinsam mit den Nachwuchsautoren will Brodowsky die Szenen zum Stück montieren. Wie das aussehen kann, wissen derzeit weder Vivien Schnauß noch Silvia Marx. Doch die Spannung steigt: „Wir können es gar nicht erwarten, auf die Bühne zu kommen“, freut sich Vivien. Bis dahin müssen sie den ausgefallenen Unterricht nacharbeiten. Und um ihren Traum in den Sommerferien mit Papas geborgtem Autowahr werden zu lassen, wird Vivien auch die Führerscheinprüfung bestehen müssen. Thomas Wendel

Quelle: PNN