Die Physiker

Im Mittelpunkt der Komödie "Die Physiker" von Friedrich Dürrenmatt steht der im 20. Jahrhundert aufkommende Konflikt zwischen der Forschungsfreiheit des Wissenschaftlers, dem Missbrauch naturwissenschaftlicher Erkenntnisse durch die Politik, das Verhalten des Wissenschaftlers gegenüber den Auswirkungen seiner Forschung auf die Gesellschaft, sowie der Umgang mit seiner Verantwortung gegenüber der Menschheit und die Bewältigung von Schuld. Anhand des Beispiels dreier Physiker, die in der Nervenheilanstalt "Les Cerisiers" durch scheinbare Zufälle miteinander konfrontiert werden, wird . Das Stück ist hierbei mit paradoxen und grotesken Handlungssträngen durchzogen und weist mehrere komikhafte Elemente auf, welche die Hauptaussage Dürrenmatts ins Komische verzerren und letztendlich die Tragik des Stückes offenbaren. Die Handlung beginnt mit der Untersuchung des Mordfalles an einer der Krankenschwestern der drei Physiker Möbius, "Einstein" und "Newton", der durch "Einstein" selbst verursacht wurde. Im Verlauf des Geschehens stellt sich heraus, das keiner der drei Physiker wirklich verrückt ist, sondern sich lediglich im Sanatorium befindet, um eigene Ziele zu verfolgen:

Wilhelm Möbius, der mit der Entdeckung seiner "Weltformel" die Antwort auf sämtliche naturwissenschaftliche Fragen und Probleme gefunden zu haben scheint, spielt hierbei die bedeutendste Rolle. Sich der Gefahr eines möglichen Missbrauchs seiner Erkenntnisse bewusst, opfert er seine Freiheit und wählt ein isoliertes Dasein im abgeschiedenen Sanatorium, um eine mögliche Bekanntgabe seiner Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit zu verhindern und somit die Menschheit vor ihrer Vernichtung zu bewahren. Hierbei stellt sich ein starker Widerspruch in der Persönlichkeit Möbius‘ heraus, denn gleichzeitig ist er nicht fähig der Forschung zu entsagen und so ein Leben in Freiheit und ohne massive Einschränkungen der Lebensweise zu führen.

Im Gegensatz dazu offenbaren sich "Einstein" und "Newton"als Geheimagenten zweier unterschiedlicher olitischer Systeme, die Möbius zur Zusammenarbeit mit den Regierungen ihrer jeweiligen Länder auffordern. Dieser erkennt jedoch die aussichtslose Lage der Physiker, und überzeugt die beiden anderen Wissenschaftler von der Notwendigkeit ihres gegenseitigen Zusammenhaltes, um eine Publikation der Erkenntnisse Möbius‘ weiterhin zu unterbinden. In der Annahme, die Forschungsergebnisse Möbius‘ seien in der Irrenanstalt vor einem Missbrauch geschützt, erklären die Physiker sich schließlich bereit ein dauerhaftes Dasein im Sanatorium zu fristen. Die Komik in Dürrenmatts Stück kommt dadurch zum Ausdruck, dass sämtliche Bemühungen und Versuche der Physiker, Möbius Entdeckungen geheim zu halten und die Menschheit somit vor einer Katastrophe zu bewahren, von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, da die Anstaltsleiterin Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd sich selbst als verrückt herausstellt und mithilfe von Möbius Wissen die Weltherrschaft anstrebt.