Gespräch mit Anna Hackl

In der Nacht zum 2. Februar 1945 gelang es etwa 500 todgeweihten Sowjetsoldaten, dem Konzentrationslager Mauthausen zu entfliehen. Geleitet von der SS schloss sich an diesen Massenausbruch eine beispiellose Hatz auf die geflohenen Häftlinge an, die als »Mühlviertler Hasenjagd« in die Geschichte einging. Nur neun ehemalige Insassen überlebten. Zwei davon kamen während der Verfolgung in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb unter und wurden vom dort lebenden Ehepaar durch die letzten Kriegswochen gebracht. Während unserer Projektfahrt nach Mauthausen (3. bis 6. Mai 2007) hatten wir die Gelegenheit, mit deren Tochter, Anna Hackl, zu sprechen, die als Mädchen miterlebte, wie die zwei Soldaten versteckt wurden.

Insbesondere ihre Mutter habe damals dafür gestimmt, die zwei Menschen bei sich aufzunehmen, so die mittlerweile 76-jährige Anna Hackl. Während beim Anschluss Österreichs an Nazideutschland viele dem Nazi-Regime zumindest nicht abgeneigt waren, sei sie von Anfang an in Gegnerschaft zu Hitler gewesen. Da es 1945 sehr gefährlich war, offen Widerstand zu leisten, bedurfte es strengster Geheimhaltung. So wussten längst nicht alle der insgesamt neun Geschwister von den zwei Gästen, die zunächst in der Scheune, dann im Dachgeschoss des Wohnhauses versteckt wurden. Daher ist es glücklicherweise auch nie zu Verdachtsfällen gekommen, denn sonst wäre die Sache sicherlich aufgeflogen.

Dass das Leben auf dem Bauernhof auch seine Vorteile mit sich brachte, fällt spätestens bei der Lebensmittelversorgung ins Auge: So wäre es in der Stadt erheblich schwieriger gewesen, für zwei zusätzliche Personen unauffällig Nahrungsmittel zu besorgen.

Anna Hackl hält seit 1995 Vorträge und leistet Informationsarbeit – ein Mal war sie auch schon an unserer Schule. Auf die Frage hin, welche Beweggründe sie dafür habe, mit ihren Eindrücken an die Öffentlichkeit zu treten, meint sie, es sei ein kleiner Beitrag zur Aufklärung: »Vielleicht bringts doch was, wenn ich in die Schulen gehe und denen das erzähle.«

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